Archiv der Kategorie: Classic-Route

Happy Birthday Johann Wolfgang von!

Selbst Google gratuliert heute Goethe zum Geburtstag. Grund genug, ein paar Auszüge aus dem Loblied auf den Naturwissenschaftler Goethe zu bringen, das Harald Lesch und Hilmar Schmundt anstimmen in „Mekkas der Moderne“:

„Das Haus am Frauenplan 1. Von außen wirkt es wie eine süßliche Idylle, die sonnige Fassade Platz beherrschend hingefläzt hinter einem sprudelnden Brünnlein. Doch die behagliche Kulisse trügt. Hier fanden einst Tiefbohrungen statt, bodenlos, riskant, ergiebig bis heute. Nicht nur für Sonntagsreden pensionierter Studienräte, sondern auch für Geologen, Biologen, Astrophysiker. Goethes Einfluss auf die Kunst war gewaltig. Sein Einfluss auf die Wissenschaft ist es noch heute.

Der Museumsshop am Eingang seines Hauses ist eine Zumutung. Ein Hauch von Disneyland: Postkarten, Tassen, Büstn, Topflappen, T-Shirts. Der Geheimrat würde sich im Grabe umdrehen – aber nur, um besser sehen zu können. Er liebte den großen Auftritt, ein Meister der Inszenierung, nicht nur im Theater. Dies Haus war seine Bühne.

Ein Salon reiht sich an den nächsten, Tiefblicke als Imponiergehabe: Großes Sammlungszimmer, Weiterlesen

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Hacker am Stellpult: Der Tech Model Railroad Club am MIT, Mekka des kreativen Umgangs mit Technik

Das MIT sei das Mekka des Hackertums, heißt es in einem Artikel im Spiegel von Marcel Rosenbach und Hilmar Schmundt:

Die Urahnen der Bewegung hatten schon Anfang der sechziger Jahre an der Elite-Universität MIT bei Boston mit technischen Streichen begonnen. Besonders kreative Basteleien nannten die Studenten „Hack“ – wahrscheinlich geht der Begriff auf die jiddische Sprache zurück: Ein ungeschickter Tischler heißt darin „Hacker“.

Im Jahr 1961 entdeckten MIT-Studenten den neuen „Supercomputer“ PDP-1. Er hatte derart wenig Speicherplatz, dass sie sich darin überboten, Programme mit so wenig Zeilen wie möglich zu schreiben. Man half sich aus, geistiges Eigentum galt nichts, man sah sich als verschworene Bruderschaft, als Überflieger-Elite.

Schnell entwickelte sich ein eigener Slang, Humor und etwas, das der Autor Steven Levy in seinem Standardwerk über die Szene als „Hacker-Ethik“ bezeichnete: Information wolle frei sein, schrieb er; Autoritäten sei zu misstrauen; und gute Programmcodes könnten eine eigene Schönheit haben.“

Zunächst die schlechte Nachricht: Die Originalanlage des Tech Model Railroad Club (TMRC) von damals gibt es so nicht mehr, vor ein paar Jahren musste der Club umziehen. Aber ansonsten ist dies Weiterlesen

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Berlin: Streit um Impact-Factories

Wie soll in Zukunft der Zugang zum Wissen organisiert werden? Das ist das Thema der Konferenz namens „Academic Publishing in Europe“ in der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg.

Richard Sietman schreibt darüber auf heise.de:

„‚In einer wissensbasierten Ökonomie sollte das Wissen frei fließen.‘ Dieses klare Bekenntnis legte der Präsident der Niederländischen Wissenschaftsorganisation (NWO), Professor Jos Engelen, in seiner Keynote auf der Konferenz Academic Publishing in Europe (APE 2011) ab, die derzeit in der Berliner Akadamie der Wissenschaften stattfindet. „Früher oder später“, ist Engelen überzeugt, werde der freie Zugang zu den Ergebnissen der öffentlich geförderten wissenschaftlichen Forschung „der Normalfall und nicht die Ausnahme“ sein.“

Jos Engelen hat weitreichende Vorschläge für ein neues Weiterlesen

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Der Klima-Gipfel: Mauna Loa und die Geburt der Keeling-Kurve

Der wichtigste Klimagipfel der Welt ereignet sich nicht in Cancún, sondern auf Hawaii, und das seit 52 Jahren. Es ist der Mauna Loa, auf dessen Gipfel die sogenannte „Keeling-Kurve“ gemessen und erstellt wird, welche die Klimaerwärmung belegt. Christopher Schrader, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, schreibt in seinem Buchkapitel in „Mekkas der Moderne“:

Was sein Vater Wichtiges tat, wurde dem Sohn erst im Lauf der Zeit klar. Als er ungefähr zehn Jahre alt war, wusste er nur, dass sein Vater „irgendwas mit der Luft maß“. Darüber wunderte sich der Junge, der wusste, dass der Vater an einem ozeanografischen und nicht an einem Atmosphären-Institut arbeitete. Doch seine Liebe zur Wissenschaft wuchs an solchen Rätseln, sodass er bald ein ähnliches Fach wie der Vater studierte.

Dann wagte sich Ralph Keeling sogar an eine komplementäre Messung: die des Sauerstoffs in der Luft. Das verschlug ihn schließlich an das gleiche Institut wie seinen Vater; die Stelle, so erzählt er, habe er eher trotz als wegen der Verwandtschaft akzeptiert. Und weil er nun dort war und etwas Ähnliches machte, übernahm er schließlich das CO2-Programm auf dem Mauna Loa, als sein Vater starb. Diese Erbfolge ist in der Wissenschaft eher selten.“

Das gesamte Buckapitel ist nachzulesen in der Onlinezeitschrift „Telepolis“.

Der Mauna Loa ist nicht der einzige Klima-Gipfel. Das Matterhorn ist ein weiterer. Anlässlich seiner Besteigungsversuche entwarf John Tyndall, einer der Urväter der Klimaforschung, um 1860 herum die Theorie der Erderwärmung und Erdabkühlung. Seine größte Angst galt einer neuen Eiszeit, ein Tempeatursturz, den er nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch in der Gesellschaft zu erkennen glaubte, nachdem der Glaube immer weiter entzaubert wurde. Das Buchkapitel über den Klima-Gipfel Matterhorn lässt sich hier nachlesen.

Eine Mitteilung in eigener Sache: „Mekkas der Moderne“ ist als „Wissenschaftsbuch des Jahres“ nominiert. Nun stimmen die Leser ab. Und zwar hier.

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Inhaltsverzeichnis von „Mekkas der Moderne“: An 76 Orten um die Welt

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In 76 Kapiteln führen bekannte Schriftsteller, Forscher und Journalisten quer durch den Kosmos der globalisierten Wissensgesellschaft.  Über 50 der Kapitel sind „nachgedruckt“ und kostenlos online lesbar. Sie laden ein zum Entdecken und Genießen, zum Nachreisen oder Querlesen. Zum Mitdenken, zum Widerspruch und zu der Frage: Was wären denn eigentlich meine ganz persönlichen Mekkas der Moderne?

Mit Beiträgen von Irenäus Eibl-Eibesfeld, Peter Glaser, Steve Wozniak, Harald Lesch, Jürgen Kaube, Ernst Peter Fischer, Ilija Trojanow, Wilfried F. Schoeller, David Wagner, Jakob Strobel y Serra, Uwe Wesel, Michael Rutschky, Gundolf S. Freyermuth und anderen.

 

Inhalt

I      AUFBRUCH – Meilensteine und Wegweiser

1 Cape Canaveral, Florida: Das Kap der hohen Hoffnung (Peter Glaser)

2 Das Goethehaus in Weimar: Odyssee am Frauenplan (Harald Lesch, Hilmar Schmundt)

3 Der Nuvvuagittuq-Grünsteingürte, Québec: Fundament der Tiefenzeit (Jürgen Schönstein)

4 Mona Lisa, Paris: Digitale Bilderverehrung und delegiertes Erleben (Lars Blunck)

5 Galápagos: Labor der Evolution (Irenäus Eibl-Eibesfeldt) ______ Weiterlesen

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Literaturnobelpreis für Mario Vargas Llosa: Stephan Maus über die Rituale des Preisgerichts

Stephan Maus berichtet im 6. Kapitel von „Mekkas der Moderne“ über „de aderton“, die Preisjury der „Achtzehn“, die in Stockholm den Gewinner des Literatur-Nobelpreises festlegt:

(….) „Die Beschlüsse im Bereich Literatur sind jedes Jahr umstritten – sehr viel umstrittener als in allen anderen Sparten des Nobelpreises. Gleich der erste Preisträger war ein Skandal: Als die alten Herren der Akademie 1901 den Preis an Sully Prudhomme und nicht an Leo Tolstoi vergaben, schickten 42 schwedische Schriftsteller und Künstler, unter ihnen auch August Strindberg und Selma Lagerlöf, eine öffentliche Solidaritätsadresse an den Russen. Seitdem schlägt die Wahl der Stockholmer Mandarine regelmäßig Skandalwellen.

Der Schriftsteller Eckhard Henscheid beschreibt das Nobelpreisphänomen als »säkularen Massenwahn samt Rückfall in den dunkelsten Mythos«. Nein, nicht so sehr ihrem glücklichen Händchen bei der Wahl der Preisträger verdankt die Akademie ihre Autorität, sondern einem komfortablen Vermögen von geschätzten 100 Millionen Euro, zu denen jährlich Weiterlesen

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„Agora“ und die neue Internet-Bibliothek von Alexandria

Die Wissenschaft wäre heute vielleicht 500 Jahre weiter, wenn die antike Bibliothek von Alexandria nicht vernichtet worden wäre, erzählt Bernd Musa in seinem Buchkapitel aus „Mekkas der Moderne“ auf Spiegel Online. Die Sammlungen der antiken Bibliothek beruhten auf so etwas wie systematischem Urheberrechtsverstoß: Jedes Schiff, das im Hafen anlegte, wurde nach Schriftstücken durchsucht, die konfisziert und abgeschrieben wurden. Die Kopien gingen zurück an den Eigentümer. Die Originale verblieben in der Bibliothek. In einem weiteren Interview wird erklärt, wie Hypatia, die Hauptfigur im Film „Agora“, fantasiereich zu einer Heiligen der Aufklärung hochstilisiert wurde.

(HS)

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