„Mekkas der Moderne“ ausgezeichnet als „Wissenschaftsbuch des Jahres“

Die Jury von „bild der wissenschaft“ hat „Mekkas der Moderne“ zum Wissenschaftsbuch des Jahres gekürt in der Kategorie „Überraschung – das Buch, das ein Thema am originellsten anpackt“.

In Österreich wurde „Mekkas der Moderne“ nominiert als „Wissenschaftsbuch des Jahres“.

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Der Standard (Wien): Feiner Reiseführer für Wissenschaftsfans

Zugegeben, der Titel des Bandes hat etwas Irritierendes. Aber das Konzept von Mekkas der Moderne. Pilgerstätten der Wissensgesellschaft ist originell und seine Umsetzung gelungen. Gut ausgesuchte Schriftsteller, Forscher und Journalisten beschreiben in 76 kurzweiligen und doch nicht ganz kurzen Kapiteln Orte, an denen Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde.

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Technology Review: „Stets so packend beschrieben, dass man mit dem Schmökern nicht aufhören will.“

Rezensionen des Buchs und Abdrucke einzelner Kapitel in:

 

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Rezensionen:

„Was im Internet als Diskussion startete, liegt nun als eine Art Reiseführer durch die Wissensgesellschaft vor. Die Lese-Expedition hat kein Ziel, doch etliche Zwischenstationen wie das Nobelpreiskomitee in Stockholm oder den Mars, stets so packend beschrieben, dass man mit dem Schmökern sowieso nicht aufhören will.“

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Auf keiner Stätte ruhn: Ein „Wo ist Wo?“ der Wissenschaftsgeschichte


An diesen Orten kam es zu Sternstunden der Wissenschaft: Mit 76 Stätten weltweit stellt »Mekkas der Moderne« die Plätze vor, die Forscher verschiedener Disziplinen mit Ehrfurcht betreten.

Die Essays erklären, warum ein Ort für einen Wissenschaftszweig so bedeutsam ist und welche Querverbindungen zu anderen Orten und Gelehrten bestehen. Einige sind Klassiker: Darwins Galapagos-Inseln, Schliemanns Troja und selbstverständlich das Pantheon in Paris mit dem foucaultschen Pendel.

Doch auch der Belesenste findet Überraschungen: Etwa San Millán de la Cogolla — den Ort, an dem die ersten Zeugnisse spanischer Sprache gefunden wurden. Ein Mönch des 11. Jahrhunderts hatte dort spanische Randnotizen zu lateinischen Heiligenviten verfasst.

Der Aufbau des Bands trägt der im Titel erwähnten Moderne Rechnung: Der Leser kann sich entweder von vorne bis hinten durcharbeiten, sich über eine Weltkarte selbst den Ort der nächsten »Landung« aussuchen — oder aber einer vorgeschlagenen Route folgen. Es scheint, als hätte Julio Cortázars nach demselben Prinzip verfasster Roman »Rayuela« Pate gestanden.

Die Autorenliste schmücken einige berühmte Schreibende, etwa Ulrich Ladurner und Ilija Trojanow. Aber auch die Texte unbekannterer Autoren bestechen. Im Unterschied zu vielen typischen Aufsatzbänden trübt die stilistische Vielfalt dieses Buchs den Lesegenuss nicht. im Gegenteil, es lebt davon. Den drei Herausgebern gelang eine so gute Auswahl, dass fast alle der drei- bis achtseitigen Essays ein gleichermaßen hohes stilistisches und inhaltliches Niveau haben.  (….)

Aus: EPOC 1/2011

 

Handelsblatt: „In dem Buch räumt Wozniak mit einer Legende auf“

„Angesichts des 60. Geburtstags von Apple-Mitgründer Steve Wozniak blickt das Blog zum Buch „Mekkas der Moderne“ in Apples Vergangenheit. In dem Buch räumt Wozniak mit einer weit verbreiteten Legende auf: Der erste Apple-Computer wurde 1975 nicht in einer Garage entwickelt, sondern dort lediglich getestet, „weil wir ja nicht die ganze Zeit den Wohnzimmertisch in Beschlag nehmen wollten“. Allerdings seien Steve Wozniak und Steve Jobs wohl nicht ganz unschuldig an der Legendbildung, gibt der Apple-Gründer zu: Weil sie die Geschichte von der Garagengründung von Hewlett Packard kannten, stellten sie ihren Computer Journalisten gerne in der Garage vor.“

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profil: „Ein fein selektierter Führer durch die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts“

Heilige Aufklärung

Die katholische Kirche hat den Vatikan, das Judentum die Klagemauer, für den Islam ist es die Stadt Mekka in Saudi-Arabien: heilige Pilgerstätten der unterschiedlichen Weltreligionen. Es gibt aber auch „heilige Orte“ der Aufklärung und Moderne, wie die Herausgeber von „Mekkas der Moderne“ in ihrem Vorwort erklären. Oft betreten die Besucher sie mit Ehrfurcht, wie etwa das Teilchenforschungszentrum CERN in Genf oder das British Museum in London, das jährlich fast fünf Millionen Besucher aus aller Welt anzieht – weit mehr als der Vatikan oder selbst Mekka. In 76 Kapiteln stellen Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten ihre Pilgerstätten der Aufklärung vor und bringen dem Leser damit die großen Errungenschaften unserer Wissenschaft näher: von Freuds Behandlungszimmer in Wien bis zu den Galapagos-Inseln, wo Darwin seine Evolutionstheorie entwickelte, von Nietzsches Grab bis zum Weltraumbahnhof in Cape Canaveral. Ein fein selektierter Führer durch die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

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Forschung und Lehre: „eine anregende Entdeckungsreise, die neugierig macht und Lust zu eigenen Erkundungen weckt“

Ina Lohaus schreibt in der Zeitschrift „Forschung und Lehre“ über „Mekkas der Moderne“ unter der Überschrift „Entdeckungsreise“:

„Mitglieder der Jungen Akademie der Wissenschaft haben sich auf eine ungewöhnliche Suche begeben. Sie wollten Orte der Wissenschaft finden, die zum Entdecken, Staunen und Begreifen einladen. Wo gibt es in der modernen Wissensgesellschaft Orte, die wissenschaftliche Erkenntnis erfahrbar machen und als säkulare Pilgerstätten eine besondere Anziehungskraft besitzen? In 76 interessanten Essays beschreiben namhafte Wissenschaftler, Autoren und Journalisten solche Mekkas der Modernejeweils aus sehr persönlicher Perspektive. Von Cape Canaveral bis zum sogenannten Unerreichbarkeitspol nimmt dieser außergewöhnliche Reiseführer seine Leser mit zu den unterschiedlichsten Wissensorten unserer globalisierten Welt: zum Beispiel zum Forschungszentrum Cern bei Genf, nach Lambaréné an die Wirkungsstätte Albert Schweitzers, zum Institute for Advanced Study in Princeton, zur Fuggerstadt Augsburg oder zum Mars. Der Leser kann quer durch das Buch auf eine anregende Entdeckungsreise gehen, die neugierig macht und Lust zu eigenen Erkundungen weckt.“

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Kultursendung „Scala“ im WDR5: „Ein Buch, bei dem man denkt: Wie schade, dass man nicht selber auf die Idee gekommen ist.“

Der komplette Beitrag zum „ganz andersartigen Reiseführer“ beim Gespräch mit Milos Vec, einem  der Herausgeber in der Sendung „Scala“ auf WDR5 lässt sich hier anhören.

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ORF-Bericht: „In Reisereportagen und Essays führen bekannte Wissenschaftler zu den für sie wichtigsten Plätzen“

Hier der Bericht von Ulrike Schmitzer im österreichischen Rundfunk ORF über „Mekkas der Moderne“ und zum Anhören auf Youtube.

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„Mekkas der Moderne“ in Leonardo: „Wahnsinnig witzige und spannende Geschichten“

Karl-Heinz Heinemann über „Mekkas der Moderne“ im Radio in der „Leonardo“-Sendung. Fazit: “Das sind teilweise ganz wahnsinnig witzige und spannende Geschichten. Ich würd’s auf jeden Fall empfehlen,das kann sich jeder mal angucken, der irgendwie spannende Wissenschaft erleben will.“

Sendung vom 30. April 2010, 16.05 bis 17 Uhr hier herunterladen als MP3. (Buchrezension ab Minute 37:32).

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Deutschlandradio Kultur: „Kurzweilige Lektüre“

Deutschlandradio Kultur wirft in einer interessanten Rezension von „Mekkas der Moderne“ zentrale Fragen auf:

„Mit einem Reiseführer für den Lehnstuhl hat man es hier also zu tun. Er bietet eine kurzweilige Lektüre, weniger wegen seiner Ortsbeschreibungen als wegen der Kurzgeschichten über die krummen Wege der Wissenschaft.Von Fächergrenzen haben sich die Herausgeber zu Recht nicht aufhalten lassen. Anthropologie und Archäologie sind ebenso vertreten wie Astronomie oder Architektur. Wem die Fachliteratur zu unverständlich und die historische Detailforschung zu abwegig ist, der erhält mit diesem Reiseführer einen Eindruck von der Zielstrebigkeit, aber auch von den Zufällen und Irrwegen menschlicher Wissbegier.“

Der Haupteinwand der Rezension gegen das Buch „Mekkas der Moderne“ ist, dass die Wissensgesellschaft sich nicht an Orten oder Emotionen orientiere, sondern an abstrakten Ideen:

„Wissenschaftsgeschichte ist kaum in Ortsgeschichte zu überführen. Denn Wissen lässt sich weder besichtigen noch riechen oder gar schmecken. Es existiert in den Gehirnen der Menschen. Und materielle Substanz erlangt es nicht in Orten, sondern in Schriften, Diagrammen, Statistiken, Bildnissen oder Dateien.“

Doch genau das ist die Frage. Hat die sogenannte Wissensgesellschaft wirklich Emotionen und Orte transzendiert – oder inszeniert sie diese nur auf andere Weise – auf eine Weise, die (noch) nicht kanonisiert ist, zum Beispiel in Form eines Wissenschafts-Baedekers?

Soll man also an Orte der Inspiration reisen oder nicht? Im Forum der „Brights“ wurde eine lebhafte Debatte über das Für und Wider geführt. „Ich will einfach nicht mit Theisten in einen Sack gesteckt werden“, schreibt ein gewisser „whatshisname“:

„als ob wir Naturalisten irgendwann als „normale Religion“ gelten würden, um dann jeden Tag unseren Glauben durch die Neigung unseres Kopfes in Richtung Darwins Geburtsorts zu bekunden. Eigentlich bin ich unter anderem gerade deswegen Naturalist, weil wir uns nicht zu solch sinnlosen Annahmen hinreißen lassen ein Ort sei wichtiger oder heiliger als ein anderer…“

Diese Skepsis wird so ähnlich auch im Beitrag im Deutschlandradio geäußert. Doch diese Forderung nach einer Abkehr vom Ort ist keinesfalls ein modernes Phänomen – sondern vielleicht so alt wie das Reisen selbst. Die „Grand Tour“ zum Beispiel, die seit dem 17. Jahrhundert für britische Adlige zum Pflichtprogramm gehörte, wurde schon bald so kritisiert:

“Those who are naturally destitute of  judgment and prudence, become still greater fools by their traveling than they were before; it being impossible for him, who is a fool in his own country, to become wise by running up and down; which made Socrates say: he must change his soul, not the climate, to become wise.“

Auch Martin Luther war skeptisch gegenüber der frommen „Lauferei“ und wetterte schon von der Kanzel herab gegen die Pilgerei nach Santiago de Compostella:

„Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt“.

Die Ironie der Geschichte: Luthers Skepsis hat ihn nicht davor bewahrt, selbst Objekt einer touristischen Heldenverehrung zu werden, wie Michael Rutschky feststellt – bei einer Ortsbegehung in Wittenberg (hier der Nachdruck seines Kapitels in seinem Blog „Das Schema“). Vielleicht ist es sogar so, dass sich weite Teile der Reisekritik speisen aus Eindrücken, die auf Reisen gewonnen wurden.

„Wissen lässt sich weder besichtigen noch riechen oder gar schmecken“ – Diese Kritik ist uralt, nur dass Kritiker wie Luther nicht das Wissen in Stellung brachten gegen das Reisen, sondern den Glauben, den man weder besichtigen noch riechen oder schmecken kann. Wir haben es hier mit einem Schema zu tun: Abstrakte Werte hier, banale Realität dort. Dies Schema ist keine moderne Position – und es markiert auch kein spezifisch wissenschaftliches Weltbild.

Im  „Brights“-Forum, das explizit naturwissenschaftlich und areligiös ausgerichtet ist, gibt es zwei Fraktionen, so wie es zur Lutherzeit zwei Fraktionen gab. Die einen Wissenschaftsfreunde glauben, dass Modernität sich vor allem in abstrakten Erkenntnissen zeigt. Andere dagegen skizzieren eine Form der Emotionalität, die über Formelsammlungen und Dateien hinausgeht, ohne den Formelsammlungen ihren Wert abzusprechen, im Gegenteil:

„Wer hat noch nie an einem schulischen Wandertag teilgenommen, dessen Ziel ein Naturkundemuseum war? Ich denke, hier gibt es eine gewisse Parallele zu einer Pilgerfahrt. Das Ziel, ein Gefühl für das zu bekommen, was hinter der „Erhabenheit“ dieses Ortes steckt. Wie ich schon mal schrieb, geht es dabei nur um Emotionen, die aber auch für Naturalisten wichtig sind.“

„Mekkas der Moderne“ spielt diese Frage an die Leser weiter:  Gibt es besondere Orte der Wissensgesellschaft – und wenn ja, welche wären das? Oder ist der geografische Ort ein überholtes Konzept für die Selbstverortung der Moderne?

Auch die Autoren des Sammelbandes sind sich keineswegs einig über diese Frage. Kenichi Moriya zum Beispiel erteilt eine Absage an die Suche nach „Mekkas der Moderne“ – und zwar im Buch gleichen Titels. Moriya, Juraprofessor aus Japan, pilgert statt an Orte lieber durch Texte, wobei der Weg das Ziel ist (Alexander Mäder von der „Stuttgarter Zeitung“ lobt diesen Beitrag in seiner Rezension):

„Ich bin nicht in Mekka, sondern in Frankfurt am Main. Hier liegt das Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. Hier findet man eine Unzahl von rechtshistorischen Büchern und auch viele rechtshistorische Experten. Ist Frankfurt sozusagen mein »Mekka«? – Nein. Frankfurt ist halt eben Frankfurt, und es geht mir vor allem um die juristischen Texte aus dem deutschen 19. Jahrhundert, die einst die japanischen Juristen beschäftigten, und die mich heute beschäftigen.“

(….)

„Es verbietet sich für einen, der nicht in Mekka gewesen ist, bloß zu vermuten, was bei einem Pilger mental passiert, der tatsächlich eine Wallfahrt nach Mekka erfahren hat.

Jede Wallfahrt sieht eine Rückfahrt vor. Ringen mit den Wörtern aber, eine wissenschaftliche, also entzaubernde und daher auch enttäuschende Tätigkeit, verschiebt einen nur – hin zu einem Ort, wo ich einem nackten Wort begegnen kann. Uns Wissenschaftlern ist gegeben, auf keiner Stätte zu ruhn. In Frankfurt am Main, wo ich bin, kann ich nichts anderes treiben als Auseinandersetzungen mit Wörtern. Auch in Osaka, wo ich meine Professur habe, kann ich nichts anderes bewerkstelligen. Hier und jetzt gilt es, der Forderung des Tages zu folgen. Das wird mich weiterbringen – wohin auch immer. Ich kann dieses Schicksal nur lieben.“

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Alexander Mäder, Leiter des Ressorts Wissenschaft der „Stuttgarter Zeitung“, schreibt über „Mekkas der Moderne“:

„Die 76 Porträts sind mal persönlich, mal historisch, mal kurz und mal assoziativ. Sie vermitteln ein paar Eckdaten, etwas Stimmung vom Ort des Geschehens und manchmal auch ein wenig historische Wertung. Das sind die besten Stellen.Der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner beschreibt beispielsweise den für die Öffentlichkeit gesperrten Saal des Staatsinstituts für Hirnforschung in Moskau. In den Jahren 1929 und 1930 waren dort für einige Monate Nachbildungen der Gehirne von Lenin und zwölf weiteren Persönlichkeiten ausgestellt. Für einen Moment dachte man, so deren Genialität zu präsentieren. Doch Stalin wollte das Biologische sozial überformen. Den Menschen als Gehirn zu zeigen, hat dann doch nicht dazu gepasst.“

Besonders gut gefallen Mäder kritische Einwände wie der  des japanischen Rechtsprofessors Kenichi Moriya:

„Moriyas Aufgabe besteht darin, die Bibliothek des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt zu beschreiben. Doch er weigert sich.Sein Beitrag beschäftigt sich mit der Pilgerstätte des „Hier und Jetzt“. Als Wissenschaftler dürfe er auf keiner Stätte ruhen, erläutert er in seinem Beitrag. Ob er in Frankfurt Schriften lese oder in Osaka, wo er eine Professur habe, spiele doch keine Rolle.

Mit dieser kritischen Haltung fällt Moriya auf, denn die anderen Autoren geraten beim Beschreiben ihrer persönlichen Pilgerstätte ins Schwärmen. So zum Beispiel der Mathematiker Christian Fleischhack, der den einzigen baden-württembergischen Ort in der Sammlung vorstellt: das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach. In der Abgeschiedenheit des Schwarzwalddorfs verbringen kleine Gruppen jeweils eine Woche, in der sie sich ganz einem Problem verschreiben. Fleischhack nennt das Institut ein Paradies, und er sagt auch, warum: Es gibt dort keinen Fernseher und kein WLAN, die Formeln werden auf Tafeln geschrieben, diskutiert wird nur über Themen, die wirklich wichtig sind, der Institutsdirektor lädt persönlich ein und ein Referat halten dürfen nur die Besten.“

Mäder attestiert einigen Beiträgen im Buch akademische Nostalgie:

„Ach, die guten, alten Zeiten! Wo nähert man sich heute noch so unbefangen, aber mit Können den Rätseln der Natur? Dieses Seufzen ist an vielen Stellen des Buchs zu hören. Der StZ-Kolumnist Peter Glaser denkt beim Stichwort Cape Canaveralwehmütig daran, wie er als Jugendlicher mit den Mitteln eines Chemiekastens Raketentreibstoff herstellte. Beim Test im Garten habe er sich wegen der Schwefelschwaden den Zorn der Nachbarinnen zugezogen, erzählt er. Und derRechtshistoriker Rainer Maria Kiesow präsentiert Bologna: die Stadt mit der besten Mortadella, einer der schönsten Kirchen (die Basilika San Francesco) und vielen bedeutenden juristischen Gelehrten. Leider, leider auch Namensgeber einer bedauernswerten Reform der europäischen Hochschulen. Vor dem Beginn des Bologna-Prozesses, klagt Kiesow, habe man kein modulares Punktesystem benötigt, um ein Studienjahr im Ausland zu verbringen, sondern vielmehr Zeit. „Diese Zeit hat heute kaum noch ein Student.““

Der Rezensent erwähnt eine sachlichere Alternative zu „Mekkas der Moderne“:

„Wer es nüchterner mag und sich stärker für technische Erläuterungen interessiert, dem sei das englischsprachige Vorbild empfohlen: der „Geek Atlas“.Während der deutsche Band das im Panthéon schwingende Foucault’sche Pendel mit der Aufklärung vergleicht – „. . . weshalb das Pendel nicht an denselben Ort zurückschwingt, sondern jeweils ein paar Millimeter weiter . . . unmerklich voran, hin und her“ -, wird im englischen Band mit Grafiken erklärt, warum das Pendel nur eine Dreivierteldrehung am Tag schafft: Es steht in Paris und nicht am Nordpol. Am Äquator würde das Pendel sogar den ganzen Tag in immer der gleichen Richtung schwingen. In der deutschen Beschreibung wird dafür analysiert, was im Panthéon, diesem „Tempel der Leere“, mit der Wissenschaft geschieht: ausgerechnet der kritische Geist, die „unsichtbare Hauptattraktion“, werde hier sakralisiert. Aber was, bitteschön, kann man von einer Pilgerstätte sonst erwarten?“

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HIER NOCH EIN PAAR LINKS

Hier geht es zum Geek Atlas (hier auch auf Deutsch), hier einInhaltsverzeichnis, das den Schwerpunkt des Buches verdeutlicht: Großbritannien und die USA.

Hier eine Publikation, die ebenfalls die Methoden des „Topographical Turn“ verwendet: „Deutsche Erinnnerungsorte“, in der Tradition der „Lieux de Mémoire

Hier ein Video des Foucaultschen Pendels im Panthéon in Paris

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P.S.: Das Buch ist als Salonspiel entstanden, ohne inhaltliche oder geografische Vorgaben. Wer etwas schrieb, war frei in der Wahl des Ortes und der Intonation, von euphorisch bis lakonisch. So ist ein vielstimmiges Kompendium entstanden. Tendenziell neigte allerdings die Mehrheit der Autoren der Grundannahme zu, dass es so etwas wie Mekkas der Moderne gibt. Was noch lange nicht bedeutet, dass sie diese Mekkas auch gut finden.

Zu Demonstrationszwecken dieser Vielstimmigkeit hier zwei Routen-Tipps für Leser von Mäders Rezension:

FÜR KRITISCHE LESER

Moriyas Text war sehr willkommen und wurde ausführlich auf dieser Website vorgestellt. Leser, die sich für derlei Kapitel interessieren, in denen eben nicht geschwärmt wird, sondern kritisch analysiert, empfehlen die Reiseleiter:  Samoa,Freud, dem Bikini-Atoll, bei Brasília, Apple, Bangalore, Bauhaus, Wittenberg, Baikonur, Plettenberg, Nature, Troia, Kiriwina, Autobahn, Augsburg, Second Life, Panthéon.

FÜR ZUKUNFTSHUNGRIGE LESER

Wer eher Texte sucht, die kein bisschen nostalgisch sind, sondern sich explizit der Zukunft zuwenden, dem könnten folgende Kapitel gefallen:  ShanghaiCern, Google, Alexandria, SchanghaiUnited Nations, Dubai, StrasbourgSüdsternwarte,Phoenix, Mars.

Weitere Pauschaltouren, bestehend jeweils aus mehreren thematisch verbundenen Kapiteln, bietet auch die Weltkarte am Ende des Buches (Seite 426 f.). Dabei sind unter anderem diese Ausflüge:

-Classic-Route (Zentrale Orte)

-Frühstart (Protomoderne Aufbrüche)

-Fortsetzungs-Geschichte (Postkoloniale Aufbrüche)

-Überholspur (Rollen, rasen, klettern, fliegen)

-Der Rechte Weg (Normative Erkundungen)

-Geheime Labyrinthe ( Verschlossene Zirkel)

Im Buch befinden sich weitere Vorschläge auf einer Karte, die als alternatives Inhaltsverzeichnis funktioniert:

(HS)

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„Mekkas der Moderne“ versteht sich als Diskussionsforum in elektronischer und analoger Form: Buch, Zeitschriftenbeitrag, Blog, Videobeitrag, Videointerview sind alles Spielformen einer Diskussion, die sich seit 2007 abspielt. Internet, Zeitschriften und Buch ergänzen sich dabei. Das Buch bietet dabei ganz eigene Vorteile. Es ist aufwändig gestaltet, mit Karten, Fotos, Querverweisen, alternativen Lesepfaden – und natürlich 76 Kapiteln. Außerdem eignet es sich zum Verschenken (und zum berühmten „Lesen in der Badewanne“). Im Internet, Zeitungen und Zeitschriften („Der Freitag“, „Damals“) präsentieren wir ausgewählte Kapitel. All diese Publikationsformen sind eigentlich zweitrangig. Im Zentrum steht die Frage: Was wären Ihre persönlichen Mekkas der Moderne? Und gibt es sie überhaupt?

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Abdrucke einzelner Kapitel in folgenden Publikationen:


Cape Canaveral, FloridaDas Kap der hohen Hoffnung (Peter Glaser)

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Das Goethehaus in WeimarOdyssee am Frauenplan (Harald Lesch, Hilmar Schmundt)

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GalápagosLabor der Evolution (Irenäus Eibl-Eibesfeldt)

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Solferino und CastiglioneDie Geburt des humanitären Völkerrechts (Ulrich Ladurner)

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Freuds CouchLiege der Lust (Lydia Marinelli)

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10 Bologna: Völlerei und Phantasie (Rainer Maria Kiesow)

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12 British Museum, LondonTempel der Aufklärung (Hilmar Schmundt)

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14 Die Bibliothek von AlexandriaWissen als politische Macht (Bernd Musa)

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16 AntarktisFlucht ins Eis (Gerald Traufetter)

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18 Schanghai: Der Wirtschaftswunderwahnsinn (Jakob Strobel y Serra)

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21 Rift Valley, Kenia:     Die Wiege der Menschheit (Julia Fischer)

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22 United Nations University, Tokio:     Gelehrtenrepublik und neues Atlantis (Hilmar Schmundt)

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28 Wittenberg:     Wiege und Themenpark der protestantischen Ethik

(Michael Rutschky)

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29 Die Apple-Garage:     Die Legenden des Rocky Raccoon Clark (Steve Wozniak)

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36 F-67075 Strasbourg:     Das jüngste Gericht (Uwe Wesel)

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37 Plettenberg:     Der Ort als Gesetz (Dirk van Laak)

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39 Oberwolfach:     Der Welt entrückt im Paradies der Mathematiker

(Christian Fleischhack)

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46 Stevns Klint, Dänemark:     Der Ort, an dem die Welt unterging

(Hildegard Westphal)

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47 Troia:     Schauplatz einer dichterischen Phantasie (Justus Cobet)

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50 Senior Common Room, Oxford:     Dinner zwischen Disziplinen

(Matthias Klatt)

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51 Kiriwina, Papua-Neuguinea:     Verschont die Trobriander! (Jürgen Kaube)

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52 Europäische Südsternwarte, Chile:     Nach den Sternen greifen

(Dirk H. Lorenzen)

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55 Aspen, Colorado:     Gipfelstürme der Physik (Ulrich Schollwöck)

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56 Matterhorn:     Vertikale Pilgerreise (Hilmar Schmundt)

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59 Porthcurno, Cornwall:     Die lange Leitung (Simone Müller)

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61 Deutschland:     Kraftwerk Autobahn (Erhard Schütz)

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Ausgabe 6/2010

63 Päpstliches Geheimarchiv, Vatikan:     43 Kilometer Geschichte (Arne Karsten)

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65 Charité, Berlin:     theatrum anatomicum (David Wagner)

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71 Phoenix, Arizona:     Der kühle Kult der Kryonik (Gundolf S. Freyermuth)

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