DFG-Tagung über Gründungsorte der Moderne: Historical events have to take place

„Sechs Jahre lang beschäftigte sich das interdisziplinäre Kollektiv aus Wissenschaftlern verschiedenster Sparten mit der Epochenschwelle um 1900. Nun fand das letzte internationale Symposium zum Thema ‚Gründungsorte‘ im Amerika Haus München statt“, schreibt Amelie Bornstein in der SZ: „‚Historical events have to take place‘ – mit diesen Worten begann Mitchell seinen Vortrag. Der linguistische Infinitiv ‚to take place‘ impliziert im Englischen förmlich die Verortung bedeutender Ereignisse. Mitchell zeigte Bilder vom Tahrir-Platz in Kairo in den Tagen des Arabischen Frühlings. Dieser Ort steht heute paradigmatisch für Begriffe wie Revolution und Freiheit, für die neue Konstitution eines Landes.“

Weiter schreibt sie: “ Auch Doerte Bischoff verwies in ihrem Vortrag über den Gründungsort Jerusalem auf dieses Sinnbild als Ausdruck für die Zerrissenheit der dort lebenden Menschen. Aufgrund der parallel existierenden verschiedenen Glaubensgemeinschaften, die allesamt die heilige Stätte für sich beanspruchen, ist eine Grenzziehung nicht mehr möglich. Ein Gefühl zwischen Zugehörigkeit und Orientierungslosigkeit, zwischen Heimat und Exil, habe sich in der Stadt entwickelt. Unterschiedliche Identitätsentwürfe kollidieren miteinander, was den Topos Jerusalem zu dem mache, was er schon seit Jahrtausenden sei: Gedächtnisort und Kampfplatz zugleich.“

„Dass eine Gründung sich nicht in einem Datum erschöpfen muss, sondern ein niemals endender Prozess sein kann, erläuterte Sascha Pöhlmann am Beispiel von Washington, D.C., wie es im Werk des amerikanischen Dichters Walt Whitman erscheint. Whitman, der sein Hauptwerk ‚Leaves of Grass‘ immer wieder überarbeitete, gelte heute als der nationale Schriftsteller des Anfangs schlechthin. Er beschrieb die Hauptstadt der Vereinigten Staaten – und immer wieder das Kapitol – als einen ‚unfertigen Ort‘.“

 

Hier die Website der DFG-Forschungsgruppe „Anfänge (in) in der Moderne“. Hier das Programm der Tagung:

 

Programm (Bitte beachten Sie die kurzfristigen Änderungen!)

 

3. Mai 2012
           

15:00 Klaus Benesch, Tobias Döring, Bernhard Teuber (München)

Begrüßung und Einführung

15:30 Julika Griem (Darmstadt)

Places to Think With: Theory’s Foundational Sites

16:45 Sascha Pöhlmann (München)

        Walt Whitman’s Unfinished City: Washington, DC as a Place of Beginnings

Der um 17:45 Uhr vorgesehene Vortrag von Kader Konuk (Michigan) muss leider entfallen.

19:00 W.J.T. Mitchell (Chicago)

Image, Space, Revolution:  The Arts of Occupation

 

4. Mai 2012           

           

9:30 André Otto (München)
        Macchu Picchu: Nerudas Aufstieg zum wahren Tod und die (Be-)Zeugung des amerikanischen Grundes

11:00 Victor Ferretti (Kiel)

Zum Tlön’schen Fundament

 

Der um 11:30 Uhr vorgesehene Vortrag von Kerstin Pinther (Berlin) muss leider entfallen.

 

 

14:00 Julia Stenzel (München)

Wolkenkuckucksheime: Antike Gründungsorte und ihre Rekonstruktion im Theater des 19. und 20. Jh.s

 

15:00 Matthias Krüger (München)

Künstlerkolonien: Gründungsorte im Abseits der Moderne

 

16:30 Dietrich Erben (München)

Die Renaissance als Moderne der Postmoderne: Florenz als Gründungsort in der Architekturgeschichte des 20. Jh.s

 

17:30 Aage A. Hansen-Löve (München)

Die Erfindung Sankt Petersburgs: Gründungsmythen und ihre Metamorphosen

 

5. Mai 2012           

 

9:30 Doerte Bischoff (Hamburg)

Die ‚Auferbauung’ Jerusalems: Gründungsort und Gegengeschichte in Texten deutsch-jüdischer Autoren des 19. Jh.s

 

11:00 Podiumsdiskussion: Jüdische Gründungs- und Gedächtnisorte in München

Moderation: Hubert Spiegel (F.A.Z.)

 

 

 

Tagungsort: Bayerische Amerika-Akademie, Amerika Haus, Karolinenplatz 3, München

 

Organisation: Klaus Benesch, Tobias Döring, Bernhard Teuber
Koordination: Maha El Hissy, Michael Ott, Sascha Pöhlmann 


P.S.: Sind die Aufsätze eigentlich schon online nachzulesen? Ich würde gerne im Googlemaps-Mashup zu „Mekkas der Moderne“ darauf verlinken.

(HS)

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