Südkorea macht vor, was Innenminister Friedrich fordert

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) fordert, dass Blogger  „mit offenem Visier“ kämpfen sollen: “ „Warum müssen ,Fjordman‘ und andere anonyme Blogger ihre wahre Identität nicht offenbaren?“

Nun stellt sein Ministerium klar, dass Friedrich dazu kein Gesetz anstrebe. sondern der Minister nur laut nachgedacht habe.

Wie eine solche Zwangs-Identifizierung aussehen könnte, darüber schweigt sich der Minister aus guten Grund aus, denn zum einen scheint er die Rechtslage nicht zu kennen: Eine Impressumspflicht ist im Telemediengesetz längst gesetzlich festgeschrieben. Zum anderen ist noch nie jemand für ein anonymes Posting belangt worden.

Wie aber sieht es mit Friedrichs Hoffnung aus, dass Schreiber, die „mit offenem Visier“ schreiben, weniger zu gefährlichen Äußerungen neigen? Auch hier lässt Friedrich viele Fragen offen. Ander Behring Breivik zitiert in seinem wirren Manifest schließlich nicht nur den (einst) anonymen „Fjordman“, sondern auch Autoren wie Robert Spencer, Pamela Geller oder John Stuart Mill.

Was also bedeutet das Anonymitäts-Verbot, das der Bundesinnenminister sich wünscht? Das könnte er in Südkorea besichtigen. Hier gibt es das „Real Name Verification Law“:

„Due to the constant social issues caused by online slanders, the extended version of Real Name Verification Law was built in July 2007. By this law, all websites that have average daily viewership of over 300,000 went into effect. Once again, this law was strengthened to websites that have average daily viewership of over 100,000 in 2009. Accordingly, 37 websites had been subject to the law in 2007, but 153 websites5 were concerned with the law in 2009. In order to verify a user’’s identity, Resident Registration Number (RRN)6 is used at the associated websites.“

(Zitat: Daegon Cho)

Was hat sich seitdem verändert? Wenig, das hat Daegon Cho, Medienwissenschaftler an der Carnegie Mellon University in einer Studie festgestellt. Das Anonymitätsverbot, das für große Online-Angebote gilt, hat den Diskurs etwas weniger ruppig werden lassen, aber nur mininal.  Vor allem Newbies, die sehr selten etwas posteten, verringerten den Anteil an Schimpfwörtern. Vielschreiber dagegen verwenden ohnehin kaum extreme Formulierungen.

„Does the constraint of having to reveal one’s true identity online have a moderating effect on the Internet community? It does, as Cho discovered. The Identification Law has a civilizing effect on the Internet’s verbal offenders — though only in moderation. Those who rarely post comments online were especially likely to temper their emotions. In this group, the number of comments containing „swear words and anti-normative expressions“ fell from 27 to 20 percent. Nevertheless, the majority of troublemakers continued to swear without restraint under their real names.“

(Zitat Rosenbach, Schmundt, Sultan)

 Wer ein Anonymitäts-Verbot fordert, sollte sich die Lage in Südkorea genauer ansehen.

Wer hat weitere Infos, Erfahrungen, Forschungsberichte über die Wirkung des „Real Name Identification Law“ in Südkorea? Hier schon einmal ein paar Erfahrungsberichte. Soviel scheint schon jetzt klar: Das Anonymitätsverbot scheint sich auch in Südkorea mit ein paar Klicks umgehen zu lassen.

(Hilmar Schmundt)

 

 

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