Ebo Taylor: Der Weg aus der Kolonialisierung der Musik war der Funk

Stefan Franzen besucht für die taz Ebo Taylor in Ghana, der in Berlin ein neues Album aufgenommen hat. Wie „verwestlicht“ ist die Ghanaische Musik? Franzen schreibt:

„Taylor geht 1962 nach London.“Ich diskutierte dort oft mit Fela Kuti darüber, wie wir den Highlife weiterentwickeln könnten. Irgendwann realisierte ich, dass unsere Musik seit der Kolonialisierung sehr nach Dur klang, ganz im Gegensatz zu der unserer Vorfahren. Ein Weg, da wieder rauszukommen, war der Funk.“ Ihn koppelt Taylor – zurück in Ghana – als Bandleader und Solist mit der alten Musik der Küstendörfer und der Kriegerkaste, schwingt sich zum Produzenten der wichtigsten Labels wie Essiebons auf. Bis heute ist er dem Afrofunk treu geblieben.“

Die Ghanaische Musik scheint weniger von einer Verwestlichung geprägt zu sein, als von einem ständigen Wechsel zwischen afrikanischen und amerikanischen Einflüssen, teils vermittelt über den großen Nachbarn Nigeria:

„John Collins, Dekan des Musical Department und seit Jahrzehnten am Puls der ghanaischen Kulturgeschichte, residiert in seinem unscheinbaren Highlife-Archiv am Stadtrand und erläutert: „Die Hiplife-Generation hatte keine Vorbilder mehr im Land, die waren nach Deutschland oder Kanada weggegangen. Mit Gitarren kamen sie nicht in Berührung. Konsequenterweise wandten sie sich also den Maschinen zu. Es gab in Ghana keine romantische Revolution in der Musik – man sprang ohne Vermittlung von den Alten direkt in die Moderne.“

Der historische Hintergrund in Kurzform: Wirtschaftliches Missmanagement und kulturelles Desinteresse der Nkrumah-Folgeregimes, Revolten, mehrjährige Ausgangssperren und Dürre beraubten Ghana seines kulturellen Potenzials, die Kreativkräfte gingen ins Exil.

„Hiplife entstand also, da die populäre Musik ausgestorben war“, führt Collins weiter aus. „Die frühen Hiplifer haben einfach den US-amerikanischen HipHop in die einheimischen Sprachen Twi oder Ga übertragen, aber den musikalischen Inhalt nicht afrikanisiert, die amerikanischen Beats wurden beibehalten.“

Hiplife wiederum schwappt auch nach Deutschland, womit sich ein „Anti-World-Music“-Kreis schließe:

„Im Headquarter des progressiven Hiplife pfeift man hingegen auf Wurzeltreue. Panji Anoff, Boss von Pidgen Music, äußert Prophezeiungen, die manchen europäischen Hörer, der noch aus der Weltmusikära kommt, unangenehm treffen könnten. „Hiplife wurde als Teil eines Anti-World-Music-Zyklus geboren, der sich in vielleicht 20 Jahren vollenden wird. Bassekou Kouyate oder Amadou & Mariam, die Stars bei euch, haben keine gesamtafrikanische Relevanz, niemand spielt ihre Musik auf der Straße. Unser Hiplife, der in Ghana schon alle Medien, jegliches soziale Ereignis bestimmt, wird in Europa eines Tages mehr Bedeutung haben als die sogenannte Weltmusik. Denn er verkörpert die urbane Realität.“ Wie dieser demnächst global relevante Hiplife sich anhören könnte, dafür gibt es in Panji Anoffs eigener Produktionsschmiede Paradebeispiele: Der rumänisch-ghanaische Straßenpoet Wanlov The Kubolor verknüpft traditionelle Instrumente mit Samples, HipHop, Afrobeat und Gypsy-Kultur, ein Youngster namens M3nsa kreiert Kollagen zwischen Hiplife, HipHop und Urban Soul.“

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Der gesamte Artikel lässt sich hier nachlesen.

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Eingeordnet unter Freistil, Postkoloniale Aufbrüche

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