Hamburger Hafencity – ein Mekka der Moderne?

Bis 2020 sollen im Neubauviertel 12 000 Menschen wohnen. Die Formgebung ist modern, die Elbphilharmonie hat sogar fast etwas Technisch-Erhabenes.

Hamburg zeigt sich wieder einmal von seiner gänzlich unsentimentalen Seite, ganz der Zukunft zugewandt, wie 1805, als man den Mariendom abreißen ließ.

Gut möglich, dass die Hafencity schon bald als Kulisse in Science Fiction-Filmen auftaucht.

Doch taugt die Hafencity allein schon durch ihre Größe und Modernität auch als Mekka der Moderne? Möglicherweise ist es genau anders herum. Vielleicht eignet sich die Hafencity eher dazu, das Konzept der Mekkas der Moderne vor den Versuchungen der Beliebigkeit zu bewahren, und es abzugrenzen von all dem, was es nicht umfasst.

Wer durch den neuen Stadtteil flaniert, spürt den Aufbruch, das Pionierleben. Die wenigen Bewohner kauern sich zusammen in den wenigen Restaurants, die nach sechs Uhr abends noch geöffnet sind. Fast freut man sich darüber, hier und dort eine Kippe herumliegen zu sehen als Zeichen des Lebens.

Ähnlich mag es sich in den Anfangsjahren in modernistischen Idealstätten wie Chandigarh oder Brasilia oder auch dem neuen Stadtteil Pudong (Shanghai) angefühlt haben. Mit einem wichtigen Unterschied. Derlei Städte recken sich immer auch nach universalistischen Werten, sie bieten gebaute Transzendenz, sie pflegten eine Überhöhung der Symbolik, mit Tempeln, Kirchen, Regierungsgebäuden, Parks. Das gilt selbst für das wirre Investoren-Casino namens Dubai, das sich als arabische Insel der kommerzialisierten Aufklärung inszeniert.

Die Hafencity dagegen verweigert sich diesem Sinn-Überschuss. Ihr Zentrum sind die Yachthäfen. Form follows function: Die Stadterweiterung wirkt irgendwie ehrlich und irgendwie langweilig, genau wie das Investorenprojekt eben, das es ist. Und die Elbphilharmonie? Sie gibt zwar das Logo für das Immobilienprodukt her — aber eben auch nicht mehr.

Kein Mekka der Moderne also. Oder? Diskutieren Sie mit.

(HS)

4 Kommentare

Eingeordnet unter Freistil, Streitpunkte

4 Antworten zu “Hamburger Hafencity – ein Mekka der Moderne?

  1. .gonzo

    mekka der moderne? ich glaube es hackt. wenn man mal ein bisschen hierüber recherchiert hätte, hätte man herausgefunden, dass die hafencity eine schlechtere klimabilanz hat als jedes altbauviertel und in sachen nachhaltigkeit nicht nur hamburgweit extrem hinterherhängt…

    so what mekka?

  2. Bei der Gestaltung der HafenCity wurde viel verschenkt. Man hätte einen lebendigen Stadtteil schaffen können, stattdessen hat Hamburg nun einen langweiligen Stadtteil dazugewonnen. Kein Charme, die „ach so wilde“ Architektur wiederholt sich an jeder Ecke und ist – wie mein Vorredner schon schrieb – aus klimatechnischen Gründen ein Desaster. Alles Stahl und Glas – wie überall in Hamburg. Von den Mieten wollen wir nicht reden …

    Klar ein Prestige-Objekt, das vielleicht Touristen anzieht, aber nicht zum Wohnen einlädt. Und wie oft die Touristen zurückkommen ist auch fraglich. Ein fragwürdiges Mekka mit kurzer Attraktivitätszeit.

    • Noch wirken die Straßen wirklich trostlos. Allerdings ist die U-Bahn-Station noch nicht eröffnet. Ich erinnere mich noch an die Diskussion um den Potsdamer Platz in Berlin, dem die Kritiker eine trostlose Zukunft als leere Investorenruine prophezeiten. Ich finde ihn bis heute nicht besonders schön, aber eines ist er ganz gewiss nicht: leer. Touristen und Besucher aus den Vororten LIEBEN dies künstliche, durchkommerzialisierte Zentrum. Bin sehr gespannt, wie die Hafencity in 10 Jahren wirkt.

  3. Egon Arentz

    Die Hafencity ist bestimmt kein Mekka der Moderne, modern sieht anders aus, sie ist, wie man in Hamburg sagen würde, einfach „hübsch häßlich“.

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