Eibl-Eibesfeldt über Galápagos

Sie sind ein Paradies auf Erden – und brachten der Menschheit ungeahnte Erkenntnisse. Auf den Galápagos-Inseln fand Charles Darwin vor mehr als hundert Jahren den Schlüssel zur Evolutionstheorie. Mit der Entdeckung brach sein Weltbild zusammen. Der Biologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt berichtet in „Mekkas der Moderne“ von einer Expedition:

Für mich als Verhaltensforscher waren die Galápagos-Inseln ein Paradies. Sie gewannen meine Liebe auf den ersten Blick, und diese Liebe hat sich bis zum heutigen Tag nicht abgenützt, sondern auf jeder meiner bisher dreizehn Reisen vertieft. Ich lernte sie als Teilnehmer der

von Hans Hass geführten „Xarifa“-Expedition kennen. Wir waren mit dem Forschungsschiff „Xarifa“ unterwegs, und kamen am Abend des 4. Januar 1954 in der Wrackbucht von San Christobal an.


Am nächsten Tag hatte ich mein erstes großes Erlebnis auf der Insel Osborn nahe der Nordküste von Espaniola. Ich hatte vom Schiff aus eine Gruppe von Seelöwen erspäht. Ich ließ mich mit einer Kamera ausgestattet auf der Insel aussetzen. Allerdings war da ein Seelöwenbulle, der unser Boot mit heiseren lauten „Ou-Ou“-Rufen umkreiste. Dabei sah ich seine beachtlichen Zähne und meinte: „Was, wenn er an mir nascht?“ – „Die fressen doch nur Fische“, antwortete der 2. Offizier, und so schwamm ich mit dem Tau unangenehm nah von einem massigen Seelöwenbullen begleitet.

Nach geglückter Landung suchte ich zunächst die Seelöwengruppe auf, die ich vom Schiff aus beobachtet hatte. Es waren 24 Weibchen, viele mit kleinen Babys. Etwas ältere Jungtiere spielten am Ufer zwischen den umspülten Felsen. Die meisten Weibchen dösten vor sich hin. Sie schauten mich an, als ich näher kam. Ich näherte mich zaghaft, da ich sie nicht aufscheuchen wollte, aber die Vorsicht erwies sich zu meiner Überraschung als unnötig. Weibchen und Junge schauten mich interessiert an und als ich mich zwischen sie setzte, beschnupperte mich das mir nächste Weibchen kurz. Und als ihr Junges sie mit der Schnauze von der mir abgewandten Seite bestupste, damit sie wieder das Gesäuge zuwendete, drehte sie mir den Rücken zu und zufriedenes Schmatzen ertönte, im Hintergrund das Rauschen der Brandung und das alles übertönende „Ou-Ou“ des Bullen, der vor der Küste auf und ab schwamm und seinen Harem bewachte.

Vom Seeräuber-Stützpunkt zum Touristen-Paradies

Heute gehören die Galápagos-Inseln zu den begehrten Reisezielen des Tourismus. Es sind die Tierwelt und die Wildheit der von den vulkanischen Kräften geformten Landschaft, die den Besucher faszinieren: gewaltige Schildvulkane, deren Flanken von schwarzen Lavaströmen gezeichnet sind. Den Namen „Galápagos-Inseln“ verwendet zum ersten Mal der flämische Kartograf Abraham Ortelius im Jahre 1574. Die „Galápagos“ – wie die Spanier die Schildkröten nennen – wurden in der Folge eine Attraktion für die Seeräuber, die hier einen ruhigen Stützpunkt fanden. Sie konnten hier ungestört ihre Beute teilen, die Schiffe reparieren, und die Schildkröten ergaben einen ausgezeichneten Proviant.


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