Hin und her, hin und her. Fast unmerklich voran und immer im
Kreis, ein stummer Beweis: Und sie bewegt sich doch. Die Besucher, die eben noch
schwatzten und lachten, verstummen und lassen sich von dem Foucaultschen
Pendel hypnotisieren, 28 Kilo schwer, hängend an einem über 70 Meter langen Draht, der sich in der Höhe fast verliert, aufgehängt mitten im »Auge Gottes«, dem Scheitelpunkt der Kuppel im Panthéon von Paris, einem Tempel, geweiht dem Fortschritt und der Aufklärung.
Das Panthéon ist ein Tempel der Leere, eine ausgeräumte Kirche. Kein Kirchengestühl, kein Altar, keine Beichtstühle, kein Weihwasserbecken, keine Opferstöcke, keine Devotionalien, keine Kerzenständer, kein Klerikalmobiliar. Ein leerer Raum, dämmerig, hoch, überwältigend, kalt. In der Mitte das Pendel, eine Kriegserklärung an das Korsett starrer Glaubensregeln. Der Beleg, dass die Erde sich um sich selbst dreht. Der Mönch Giordano Bruno war für derlei Ketzerei vor über vierhundert Jahren auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt worden, geknebelt, damit er den frommen Folterknechten keine Widerworte geben konnte.
Das Pendel soll stumme Anklage sein. Und später Triumph.

Pingback: Stuttgarter Zeitung: „mal persönlich, mal historisch“ « Mekkas der Moderne – Pilgerorte der Wissensgesellschaft
Pingback: „Mekkas der Moderne“ nominiert als „Wissenschaftsbuch des Jahres“ 2010 « Mekkas der Moderne – Pilgerorte der Wissensgesellschaft
Pingback: До свидания, Baikonur « Mekkas der Moderne – Pilgerorte der Wissensgesellschaft